Im Reservat der Eichert-Indianer

Ich bin zusammen mit der Reporterin Julia Jürgens für 2 Wochen in die sächsische Kleinstadt Aue gezogen. In die Gästewohnung eines Plattenbaus, der maßgeblich das Stadtbild prägt. Einst wohnten hier die Priviligierten der DDR-Gesellschaft. Wir wollten heraus finden, wer hier heute lebt. Weil Aue in der Vergangenheit in den Medien hauptsächlich durch Berichte über Sternmärsche und andere rechts motivierte Aktivitäten vertreten war und die Bewohner Aues sich infolgedessen missverstanden fühlten, wollten wir uns selbst ein Bild machen und gegebenenfalls Vorutreile aus dem Weg räumen. Wir sind dabei auf eine Offenheit und Unvoreingenommenheit gestoßen, mit der wir nicht gerechnet hatten. Kaum eine Wohnungstür des Plattenbaus blieb uns verschlossen und viele Bewohner waren gerne bereit, uns ihre eigene Geschichte zu erzählen. Unter all diese spannenden Lebensgeschichten, die alle irgendwie mit der ehemaligen DDR verknüpft sind, mischten sich aber auch schiefe Töne mit unangenehmem Nachhall. Das Gefühl, missverstanden und missachtet zu werden hat nicht selten Verbitterung zur Folge. Wir sind auch dieser oft begegnet. So sind es gespaltene Gefühle, zwischen Abschiedschmerz und Erleichterung, mit denen wir Aue wieder verlassen.